Fernunterricht – klappt er diesmal besser?

Schülerin arbeitet vor dem Laptop

In diesen Tagen enden überall die Weihnachtsferien. Die Diskussion über Art und Umfang des Schulunterrichtes dürfte nach deren Ende noch einige Wochen anhalten. Es zeichnet sich ab, dass der Unterricht Corona-bedingt nicht oder nur in geringem Umfang als Präsenzunterricht stattfinden wird. Wahrscheinlicher ist eine Kombination aus digitalem Fernunterricht und alternativen Präsenzmodellen. Damit wächst die Sorge, dass der Einsatz von Videokonferenzen für den Unterricht nicht funktioniert oder gestört ist. Im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 und dann auch wieder zu Beginn des zweiten Lockdowns im Dezember mangelte es häufig an geeigneter Hard- und Software, die Bandbreiten reichten oft nicht aus und es fehlt auch am Know-how bei der konkreten Einrichtung und Moderation. Anbieter und Dienstleister haben in den vergangenen Wochen sehr viel getan, um einen stabilen, zuverlässigen Fernunterricht auch für eine große Zahl von Schülern zu gewährleisten.

Lockdown 2020 erwischte Schulen kalt

Blicken wir zunächst noch einmal zurück in den März 2020: Die Hals-über-Kopf-Schließung der Schulen erwischte Verantwortliche, Lehrer, Eltern und Schüler gleichermaßen kalt. Auf ein solches Szenario waren die deutsche Bildungspolitik und ihre Institutionen nicht vorbereitet gewesen. Nachdem der Unterricht in der ersten Phase häufig einfach ausfiel, entstanden nach und nach und oft mit viel Kreativität und Engagement erste Lösungen für digitalen Fernunterricht. Da zentrale Angebote nicht existierten, experimentierten Schulen mit eigenen, gelegentlich hausgemachten Lösungen. Der Umgang mit diesen digitalen Tools erforderte allerdings ein Grundwissen, das Lehrer und Schüler mitunter nicht hatten. Auch fehlte es vielerorts an digitalen Endgeräten, also vor allem Notebook-Computern oder Tablets. So entstand eine sehr heterogene Lernlandschaft.

Auch bei den IT-Dienstleistern im Hintergrund gab es Anlaufprobleme. Denn auch sie waren auf ein solches Szenario nicht vorbereitet gewesen. Erschwerend kam hinzu, dass zur gleichen Zeit auch sehr viele Unternehmen sowie die öffentliche Verwaltung auf Home-Office-Betrieb umstellten. Jeder kann sich vorstellen, dass die Nachfrage nach Rechnerleistung und Verbindungen in diesen Tagen geradezu explodierte. Allein in Hamburg wuchs die Nutzung von VPN-Verbindungen im März 2020 innerhalb von drei Wochen um das 4,5fache, von 3.000 auf 13.500. Die IT-Dienstleister schoben in dieser Situation zwar schnell und massiv Rechenleistung nach, konnten aber meist nur reaktiv handeln. So hakte es mitunter. Fernunterricht wurde leider häufig für alle Beteiligten zu einem frustrierenden Erlebnis. Im Sommer kehrten die Schulen dann langsam in den Präsenzmodus zurück. Doch die Hoffnung, dass der Lockdown ein einmaliges Ereignis bleiben möge, zerschlug sich, als Mitte Dezember die Schulen abermals ohne ausreichenden zeitlichen Vorlauf geschlossen wurden und auf Fernunterricht umstellten. Und wieder hakte es an vielen Stellen.

Auszeit im Winter wurde genutzt

Jetzt, Anfang 2021, dürfen wir allerdings etwas optimistischer sein. Corona könnte sich sogar als echter Treiber der Digitalisierung in der Bildung erweisen. Lehrer und Schüler haben mittlerweile einige Erfahrung im Umgang mit Lernplattformen und Videounterricht. Viele Schulen wurden von uns massiv mit zusätzlicher Hardware ausgestattet. Und mancher Schüler dürfte sich Weihnachten über ein modernes Notebook oder Tablet gefreut haben, welches er nun auch für den digitalen Unterricht nutzen kann. Die Hardwareausrüstungen von Schulen und Schülern wäre wahrscheinlich noch besser, wenn der Weltmarkt für Computer und Monitore derzeit nicht ziemlich leergefegt wäre – übrigens völlig unabhängig von Corona.

Für IT-Dienstleister der öffentlichen Verwaltung wie Dataport brachten die vergangenen Wochen also sehr viel Arbeit. Wir halten nun sehr viel Rechenleistung, Videokonferenzsoftware und Verbindungen vor, sodass der Unterricht für viele Tausend Schülerinnen und Schüler von technischer Seite von Tag eins an möglich ist. Allein für Schleswig-Holstein stellt Dataport jetzt 60.000 Video-Verbindungen zur Verfügung – im Dezember lag diese Zahl noch bei 2.000. Das ist ein gewaltiger Sprung. Und dass mittlerweile alle Lehrer im nördlichsten Bundesland mit eigenen E-Mail-Postfächer ausgestattet wurden, ist ebenfalls ein großer Fortschritt, der die Kommunikation erheblich verbessern dürfte. Bei allen Verbesserungen bleibt in einer so heterogenen Infrastruktur jedoch auch jetzt das Risiko, dass irgendwo Engpässe entstehen.

Herausforderung Föderalismus

Es bleiben immer noch einige Herausforderungen. Das – politisch gewollte – föderale Bildungssystem trägt zu diesen bei. So gibt es in Deutschland keine einheitlichen Regelungen, was beispielsweise die verwendete Software angeht. Selbst auf Länderebene gibt es hier eine große Vielfalt. Und so fehlt zum Re-Start des digitalen Unterrichts beispielsweise ein Überblick, welche Schule welche Software verwendet, oder wieviel Bandbreite wann und wo benötigt wird. Das macht die Planung für IT-Dienstleister und Netzwerkanbieter schwierig und erfordert eine große Flexibilität. Das Vorhalten von Kapazitäten ist aber immer mit hohen Kosten verbunden, was nicht vergessen werden sollte. Hohe Anforderungen an den Datenschutz und die politische Forderung nach digitaler Souveränität lassen zudem die Nutzung von ausländischer Standardsoftware wie Teams oder Zoom im öffentlichen Sektor – und damit auch in Schulen ­– oft nicht zu.

Ein Risiko bilden auch allgemeine Störungen des Internets, die leider gelegentlich vorkommen und die wir nicht beeinflussen können. Eine solche gab es unglücklicherweise zu Beginn des zweiten Schul-Shutdowns im Dezember. Es muss auch konstatiert werden, dass Deutschland bei der Digitalisierung keine Vorreiterrolle innehat. Die Qualität der Funk- und Festnetze reicht mancherorts nicht aus. Hier besteht zweifellos Handlungsbedarf.

Der menschliche Faktor

So oder so: Den digitalen Fernunterricht zu einem Erfolg machen, das können letztlich nur die handelnden Personen. Eine hochgradig interaktive Videokonferenz für 30 Schüler zu moderieren und dabei noch anspruchsvolles Wissen zu vermitteln, ist keine kleine Aufgabe. Hier sind vor allem die Lehrer gefordert. Sie verdienen unser aller Unterstützung!

Autor*in

Betriebsmanager und Leiter des Krisenmanagements
Mitarbeiterfoto von Jan-Markus Peters

Wie kann man am besten performante und verfügbare IT-Servicves bereitstellen? Das ist die stetige Kernfrage für den Dipl.-Ing. für Nachrichtentechnik. Für die Antwort betrachtet er IT vor allem in Gesamtzusammenhängen. Denn nur mit einem übergreifenden Verständnis von Technologien und Zusammenhängen lassen sich kritische Herausforderungen meistern.