Vier Regeln für eine zügige Windows-10-Migration

Bild von mehreren Laptops in einer Reihe auf einem Schreibtisch

Rechner mit einem veralteten Betriebssystem sind ein gravierendes Sicherheitsrisiko für Unternehmen und Organisationen. Seit dem 14. Januar 2020 gilt das für alle Windows-7-Rechner. Der Support ist ausgelaufen und Sicherheitslücken werden nicht mehr automatisch geschlossen. Das bietet Raum für digitale Angriffe aus dem Netz. Für den Umstieg auf Windows 10 ist es nun höchste Eisenbahn. Vier Schritte erleichtern eine zügige Massenmigration.

2016 hat Microsoft angekündigt, dass es ab Januar 2020 keine weiteren Updates für Windows 7 mehr gibt – oder nur noch gegen hohe Entgelte. Das Thema wurde von vielen Unternehmen und Organisationen unterschätzt und verdrängt. Die Migration von Windows 7 auf Windows 10 aufgeschoben. Nun muss es schnell gehen. Ein großes Migrationsprojekt mit tausenden Clients ist immer eine echte Herausforderung. Ein klassisches Migrationsprojekt dauert jetzt jedoch zu lange. Mit agilem Vorgehen kann man es trotzdem schaffen. Für Hamburg und Bremen haben wir auf dieser Weise rechtzeitig vor dem Auslaufen des Windows-7-Supports 40.000 Standard-Clients migriert, auf denen 850 verschiedene Verfahren laufen. In Schleswig-Holstein waren es 20.000 halb standardisierte Clients. Um eine solche Menge in relativ kurzer Zeit und dennoch so nutzerfreundlich wie möglich zu bewältigen, brauchte es eine klare Vision.

1.  Die wichtigen Fragen klären

Eine gute und ehrliche Analyse der Ausgangslage ist von größter Bedeutung. Welche vorhandene Hardware ist für Windows 10 geeignet? Welche Anwendungen können auf dem neuen Betriebssystem weiterlaufen? Welche nicht? Wo kann man auch mal alte Zöpfe abschneiden? Eine Betriebssystem-Migration ist die Chance, alte Technik endlich durch neue zu ersetzen. Aufräumen des Portfolios ist das Stichwort. Organisationen sollten hartnäckig hinterfragen, ob sie die alte 16-bit-Anwendung nicht doch durch etwas Modernes ersetzen können. Die Erfahrung zeigt: Wer aus Gewohnheit alte Technik weiter mitschleift, bekommt dadurch früher oder später Probleme.

2. Anfangen statt ewig planen

Ein klassisches Migrationsprojekt hilft bei einer Massenmigration nicht weiter. Wenn man stur Standort nach Standort oder Abteilung nach Abteilung migriert, lauern überall Show-Stopper. Jeder Problemfall würde den gesamten Prozess aufhalten. Dabei ist es ist nicht möglich, alle offenen Fragen und jedes Detailproblem im Voraus zu durchdenken und zu lösen. Dann wird man nie fertig. Die Devise muss lauten: neue Betriebsprozesse aufsetzen und dann mit dem anfangen, was geht. Bei unseren eigenen Systemen konnten wir 1.500 Clients ohne Spezial-Software sofort migrieren. Danach haben wir uns Schritt für Schritt immer neue Gruppen von ähnlichen Clients vorgenommen. Probleme identifiziert, gelöst und dann migriert. Tempo machen, Masse schaffen.

3. Betriebsprozesse modernisieren

Wer sich jetzt auf die reine Windows-10-Migration fokussiert, steht spätestens nach einem halben Jahr wieder vor denselben Herausforderungen. Denn der Wechsel von Windows 7 zu Windows 10 ist nicht nur das Einspielen eines neuen Betriebssystems. Microsoft hat auch ein neues Modell eingeführt. Statt alle paar Jahre eine große, neue Windows-Version herauszubringen, gibt es ab sofort halbjährliche Releases (SAC). Für Unternehmen und Organisationen bedeutet das: Flächendeckende Updates müssen alle sechs Monate ausgespielt werden. Daher ist es besonders wichtig, vor der Windows-10-Migration auch die dahinterliegenden Betriebsprozesse zu prüfen und zu aktualisieren. Inklusive der Prozesse aller beteiligten Facheinheiten vom Hardware-Management bis zur Auftragssteuerung. Das bedeutet viel Arbeit, bietet aber auch hier die Chance zur Modernisierung und Veränderung. Mit zeitgemäßer Software-Verteilung, Paketierung und Update-Prozessen.

Zügig umgesetzt, helfen dabei diese drei Bausteine:

  • Erstellen von Images und dazugehörigen Paketen über ein crossfunktionales Test- und Entwicklungsteam
  • Etablieren eines „Ring-Prozesses“ für schnelles Feedback zu Betriebssystem und Software-Paketen
  • Ausrichtung der Software-Verteilung und deren Infrastruktur auf Betriebssystem-Installationen vor Ort ohne Nutzerinteraktion

4. On the fly lernen

Bei Dataport sind wir mit der agilen Migration sehr gut gefahren. Störungen konnten schnell beseitigt werden und waren kaum wahrnehmbar. Das ist ein Vorteil dieser Methode: Probleme werden frühzeitig erkannt und können direkt gelöst werden. Das ist besser, als am Ende einer langen Planungsphase geballt auf alle Probleme zu stoßen. Das Migrationsteam hat eine steile Lernkurve, kann aus seinen Erfahrungen profitieren, ähnlich gelagerte Schwierigkeiten noch früher erkennen. Dazu gehört eine große Lernbereitschaft. Und die Bereitschaft, es auszuhalten, von Problemen überrascht zu werden und unter Zeitdruck nach einer Lösung zu suchen. Ein weiterer Vorteil: Die neuen Betriebsprozesse werden ebenfalls on the fly erprobt und verbessert. Am Ende des Migrationsprojektes kann das Team so schon auf viel Erfahrung zurückgreifen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor: Die IT-Verantwortlichen müssen bei dieser agilen Vorgehensweise mit am gleichen Strang ziehen. Weg von hundertprozentigen Labortests und der Erwartung einer komplett fehlerfreien Migration der Clients hin zu mehr Fehlertoleranz und schnellem und kritischem Feedback. Diese Umstellung ist auch für die Kund*innen nicht einfach, hat sich aber bei Dataport sehr bewährt.

Fazit

Bei einer Massenmigration auf Windows 10 gilt: Schnelligkeit vor Gründlichkeit. Tempo machen und Sicherheit schaffen ist das Gebot der Stunde. Anfangen und schnell lernen statt langer Planungsphasen mit „Big Bang“. Je mehr Clients schon in neue Betriebsprozesse überführt und regelmäßig mit neuen Releases versorgt werden können, umso sicherer. In Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein konnten wir so 98 Prozent der von uns betreuten Rechner migrieren. Die große Masse ist damit auf der sicheren Seite. Das Risiko durch die restlichen zwei Prozent Spezialfälle ist überschaubar und es können in Ruhe Lösungen für diese Fälle gefunden werden.

Autor*in

Teamleiter Client Delivery Management
Robert Felker

Robert Felker ist Teamleiter des Client Delivery Managements bei Dataport. Die Massenmigration von Clients ist für ihn Routine. Schon den Evolutionsschritt von Windows XP auf Windows 7 hat er während seiner Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration mitgemacht und dabei wichtige Erfahrungen gesammelt, die bei der Windows-10-Migration weiterhalfen. Solche Herausforderungen zwischen guter Planung und Reagieren auf Unvorhersehbares machen für ihn den Reiz der Aufgabe aus.