Nachhaltige Beschaffung: Wir möchten es genau wissen

Pflanze wächst aus Computertastatur

Wer einen PC, einen Drucker oder eine Computermaus kauft, erwirbt ein Produkt mit einer sehr komplexen Liefer- und Produktionskette. Entlang dieser Kette geht es nicht überall sozial- und umweltverträglich zu, das ist hinlänglich bekannt. Wer viel einkauft, hat deshalb auch eine besonders hohe Verantwortung. Als IT-Dienstleister der öffentlichen Hand nehmen wir diese Verantwortung ernst. Wir stoßen bei Herstellern gezielt Verbesserungen an. Die Vergaberichtlinien von Dataport setzen inzwischen bundesweit Maßstäbe.

Wer kann schon mit Gewissheit sagen, dass das Kobalt im Akku eines Laptops nicht in kongolesischen Kleinstminen von Kindern geschürft wurde? Nicht einmal die Hersteller können sich da immer sicher sein. Bei Dataport möchten wir es aber möglichst genau wissen. Als Großabnehmer nehmen wir unsere Verantwortung sehr ernst.

Der Staat ist in Deutschland laut Branchenverband Bitkom der größte IT-Einkäufer. Allein Dataport beschafft die IT-Hardware für rund 100.000 Arbeitsplätze in der öffentlichen Verwaltung von Bremen, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Wir müssen deshalb Vorreiter bei nachhaltiger Beschaffung sein.

Öko-Siegel und umweltfreundliche Verpackung

Nachhaltige Hardwarebeschaffung – das bedeutet für uns, sowohl unter ökologischen als auch sozialen Aspekten einzukaufen. Bei den ökologischen Kriterien beachten wir auch die Anforderungen unserer Träger. Wer IT an Dataport liefert, muss beispielsweise über bestimmte Öko-Siegel verfügen und eine umweltfreundliche Verpackung bieten. Wichtig ist auch, dass wir die Geräte reparieren können.

Wir streben schließlich eine möglichst lange Nutzung der Geräte an. Notebooks und PCs sollen mindestens fünf Jahre genutzt werden – und danach steht nicht einfach die Entsorgung an. Nachhaltig agieren heißt für uns auch, dass die Geräte weiterverwendet werden. Daher spenden wir die Mehrzahl. Zum Beispiel an die Arbeiterwohlfahrt, an soziale Projekte oder in das Charity4Aid Network. Ein Teil der Geräte wird zudem aufgearbeitet und wiederverkauft. Der Lebenszyklus der Geräte verlängert sich so um eine weitere Nutzungsphase. In beiden Fällen werden die Daten auf den Geräten natürlich zertifiziert gelöscht.

Vorreiter bei sozialen Kriterien

Beim öffentlichen Einkauf von IT-Leistungen spielt für uns neben den ökologischen Kriterien zunehmend eine Rolle, unter welchen Bedingungen die Arbeitnehmer*innen in der Produktion beschäftigt worden sind. Wer IT-Leistungen an Dataport verkaufen möchte, muss sich in Vergabeprozessen bewerben. Für die Teilnahme an diesen Prozessen verlangen wir den Nachweis, dass die Bieter strenge soziale Kriterien einhalten. Sie müssen ein Konzept vorlegen, das beschreibt, wie sie die sogenannten Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) entlang der Lieferkette einhalten und deren Einhaltung sicherstellen. Dazu gehört, dass die Produkte ohne Kinder- und Zwangsarbeit, ohne Diskriminierung aufgrund von Rasse, Hautfarbe oder Herkunft und unter Wahrung der Arbeitnehmerrechte hergestellt werden.

Wir setzen uns auf diese Weise auch dafür ein, dass Angestellte in der Elektronikindustrie ein menschenwürdiges Leben mit ausreichendem Einkommen sowie eine Stimme am eigenen Arbeitsplatz haben und dass ihre Sicherheit geschützt wird. Dataport arbeitet dabei eng mit den Lieferanten, um die Situation optimal einschätzen zu können. Das Konzept alleine genügt uns nicht: Halbjährlich lassen wir uns von den Herstellern berichten und stehen in ständigem Dialog mit Händlern, Herstellern und Lieferanten. Wir erhalten unter strengen Vertraulichkeitsvereinbarungen Einblicke in interne Auditberichte der entsprechenden Produktionsstätten und Zulieferbetriebe, um die Situation nachvollziehen zu können. Missstände können so aufgedeckt werden, und die Zusammenarbeit wird stetig verbessert. Zusätzlich besuchen wir die Produktionsstätten und arbeiten mit unseren IT-Herstellern vertrauensvoll und erfolgreich zusammen. Zuletzt beispielsweise 2019 bei Foxconn Pardubice in Tschechien. Dort wird Hardware von HP gefertigt. 

Der „Dataport-Weg“

Dataport ist mit den Vergaberichtlinien insbesondere bei den sozialen Kriterien Vorreiter. Bundesweit orientieren sich auch andere Vergabestellen am „Dataport-Weg“. Selbstkritisch fragen wir uns natürlich durchaus: Verbessern strenge Vorgaben und Vergabekriterien wie die von Dataport wirklich die Arbeitsbedingungen in der IT-Industrie? Sorgen sie für gerechtere Löhne, mehr Sicherheit und umweltfreundliche Produktionsbedingungen? Wir sind uns da nicht nur sicher, wir haben es sogar schon mehrfach konkret erlebt.

Um ein positives Beispiel zu nennen: Im Februar 2019 wurde ein Bericht von Electronics Watch über die Arbeitsbedingungen in zwei thailändischen CalComp/NKG-Werken, Mahachai und Phetchaburi, erstellt. Electronic Watch vernetzt als unabhängige Monitoring-Organisation Beschaffungsverantwortliche und zivilgesellschaftliche Organisationen in Regionen der Elektronikproduktion mit Expert*innen für Menschenrechte und globale Lieferketten. In dem erwähnten Bericht wurden mehrere Vorwürfe gegen CalComp/NKG erhoben. Dies betraf vor allem überhöhte Vermittlungsgebühren, die Wanderarbeiter aus Myanmar zahlen müssen, um überhaupt Arbeit an einem der beiden Standorte zu bekommen. In der Folge ergibt sich faktisch eine Zwangsarbeit durch finanzielle Abhängigkeit.

Erfolgreich gegen Missstände

Unser Lieferant HP lässt an einem der beiden Standorte Produkte fertigen. Dem Unternehmen waren die Probleme aufgrund des HP-Auditprogramms bekannt und es arbeitete bereits an einer Korrektur. Darüber hinaus fanden, in Zusammenarbeit mit der RBA (Responsible Business Alliance), Überprüfungen nicht nur in den CalComp/NKG-Werken, sondern auch bei den beteiligten Arbeitsagenturen statt. HP reagierte und ging aktiv und erfolgreich gegen genannte Missstände vor. In einem HP-Report berichtete das Unternehmen im Anschluss vom Ergebnis dieser Intervention: „An beiden Standorten wurden Bewertungen von unabhängigen Drittauditoren durchgeführt, um sicherzustellen, dass der RBA-Verhaltenskodex und die Richtlinienanforderungen Foreign Migrant Worker (FMW) von HP eingehalten werden. […] Bis heute hat Cal-Comp/NKG die Erstattung der Vermittlungsgebühren […] in diesen Einrichtungen abgeschlossen, einschließlich ca. 4,99 Mio. USD für 10.570 derzeitige Arbeitnehmer. Das Unternehmen versucht, weitere 3.714 Arbeitnehmer zu kontaktieren, die zwischen 2016 und 2019 ausgeschieden sind und hat zusätzliche 1,75 Mio. USD bereitgestellt, um die Rückzahlung an diese Arbeitnehmer zu decken, wenn sie sich melden.“

Natürlich sind wir uns bewusst, dass eine lückenlose Einhaltung der Arbeits- und Sozialstandards entlang der gesamten Lieferkette einschließlich der Rohstoffgewinnung schwierig ist. Aber je wichtiger uns als einkaufendem Unternehmen die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung der von uns genutzten Produkte sind und je mehr Einkaufsentscheidungen davon beeinflusst sind, desto eher ändern sich auch die Bedingungen vor Ort in der Fertigung. Wir haben durchaus einen Einfluss auf Anbieter und Hersteller und dadurch steigt auch das Angebot an nachhaltig produzierten Waren. Das ist ja nicht nur beim Großeinkauf von IT so, sondern bei eigentlich allem, was wir auch privat konsumieren.

Autor*in

Umweltmanager
Autor Henning Elbe

Henning Elbe ist bei Dataport für das Thema Nachhaltigkeit und Green IT zuständig. In der Hardwarebeschaffung übernimmt der Umweltmanager die Erarbeitung der ökologischen und sozialen Kriterien.

„Es gibt noch keine fair hergestellte IT entlang der gesamten Lieferkette von der Rohstoffgewinnung bis zur Endmontage “, sagt er. „Lasst uns deshalb anfangen, dafür zu sorgen.“ Dass ökologische und soziale Aspekte beim Dataport-Einkauf so hoch bewertet werden, ist ganz sicher dieser Motivation zu verdanken. Sie sorgt auch dafür, dass sich Henning Elbe über Dataport hinaus für einen verantwortungsvollen IT-Einkauf engagiert. So ist er unter anderem in den vergangenen Jahren ein aktiver Teilnehmer der Fachkonferenz für sozial verantwortliche Beschaffung von IT-Hardware.