3. Staffel: COUCH CAREER – Perspektiven, die inspirieren
Herausforderungen verstehen, Entwicklungen reflektieren, neue Perspektiven gewinnen: Die 2. Staffel von COUCH CAREER geht einen Schritt weiter und richtet den Blick stärker auf individuelle Erfahrungen im Berufsalltag. Im Fokus stehen persönliche Learnings, Wendepunkte und die Frage, wie sich Karrierewege im Laufe der Zeit entwickeln.
Die Gespräche zeigen, dass berufliche Wege nicht geradlinig verlaufen müssen, um erfüllend zu sein. Unterschiedliche Hintergründe, Entscheidungen und Erfahrungen prägen, wie Menschen ihren Platz finden und weitergehen. Dabei werden auch Herausforderungen offen thematisiert – ebenso wie das, was daraus entsteht: neue Chancen, veränderte Blickwinkel und ein tieferes Verständnis für die eigene berufliche Entwicklung.
Alle Folgen der 3. Staffel
Folge 1Barrierefreiheit betrifft uns alle. Punkt.
Laufzeit: 21:07 Min
Karriere kannste googeln. Die Geschichten dahinter nicht. In der 1. Folge von COUCH CAREER – berufliche Geschichten vom Sofa sprechen Utku und Paul über zwei Themen, bei denen es vor allem um eines geht: Menschen und ihre unterschiedlichen Voraussetzungen.
Utku ist schwerhörig und Experte für digitale Barrierefreiheit. Für ihn ist klar: Barrierefreiheit betrifft längst nicht nur Menschen mit Behinderung. Alter, Familie oder die persönliche Lebenssituation können genauso darüber entscheiden, was Menschen brauchen, um gut arbeiten zu können. Es geht um Teilhabe – aber auch um Zufriedenheit, Leistungsfähigkeit und darum, nicht alle über einen Kamm zu scheren.
Paul bringt die Recruiting-Perspektive mit: Was braucht es, damit aus einer Bewerbung ein gutes Ankommen wird? Und warum zählt bei der Wahl eines Arbeitgebers am Ende mehr als Gehalt? Spoiler: gesellschaftlicher Mehrwert spielt dabei eine ziemlich große Rolle.
Transkript des Podcasts
Hey und willkommen bei COUCH CAREER – berufliche Geschichten vom Sofa, dem Podcast von Dataport. Ich bin Isabella, Employer Branding Managerin. Und in jeder Folge lade ich euch ein, ganz nah dabei zu sein, wenn zwei Expert*innen sich gegenseitig interviewen. Ihr erfahrt mehr über ihren Job, ihren Alltag und ihre Leidenschaft und darüber, was das Arbeiten bei Dataport eigentlich so besonders macht. Hier wird gefragt, gelacht und nachgehakt. Macht es euch bequem. Los geht's.
Meine heutigen Gäste sind Utku und Paul. Schön, dass ihr da seid. Stellt euch doch einmal kurz vor.
Vielen Dank für die Einladung. Ich bin Paul, Recruiter bei Dataport und seit ungefähr zweieinhalb Jahren dabei. Ich bin speziell für den Technikbereich bei uns unterwegs, und wir kümmern uns um das gesamte Thema rund ums Bewerben – von den Ausschreibungen bis hin zum Arbeitsvertrag.
Ich bin Utku, bin seit knapp fünf Jahren bei Dataport und Experte für Qualitätssicherung im Bereich Barrierefreiheit. Da habe ich fast alle Rollen abgedeckt, indem ich Testmanagement, Testanalysen und dergleichen durchführe – das ist mein Beruf.
Und erzählt doch mal etwas Privates über euch. Gibt es irgendwo eine Leidenschaft, die ihr habt? Oder irgendetwas, was man noch über euch wissen muss?
Das, was man über mich unbedingt wissen sollte, ist, dass ich schwerhörig bin. Das ist eigentlich in den Gesprächen von vornherein geklärt, dass man mir nicht irgendwie den Rücken zudrehen sollte. Das verschafft mir auch ein bisschen Freiheit.
Inwiefern?
Ich höre unangenehme Sachen nicht, wenn die Leute irgendwelche körperlichen Ausdünstungen haben – das muss ich ja nicht hören. Oder wenn mich irgendein Gesprächspartner nervt, dann gehen plötzlich meine Batterien aus.
Okay, ich hoffe, dass du sie heute anlässt.
Ja, ich spiele sehr gerne Tischtennis, habe scheinbar auch eine Begabung für Sprachen und habe relativ früh Sprachen gelernt. Die beherrsche ich auch relativ gut: Englisch, Türkisch und Deutsch. Sonst segle oder reise ich gerne. Ein Buch zu lesen – das ist schon fast banal, das macht jeder.
Und du?
Zwei spannende Sachen, vielleicht etwas Persönliches. Ich bin seit Anfang des Jahres leider Padel-süchtig geworden. Ich habe schon gemerkt, dass es da ein, zwei Arbeitskollegen gibt, die sich dem auch schon verschrieben haben. Und die zweite, vielleicht spannende oder auch lustige Sache ist auf jeden Fall, dass ich im Team „Happy Monday“ bin bei uns. Es gibt immer so ein, zwei Menschen, die nicht so gerne am Montag arbeiten, und das ist meine Aufgabe, sie dazu zu motivieren – im Team oder teamübergreifend –, dass wir es auch schaffen, montags gerne zur Arbeit zu kommen.
Das ist schon mal gut zu wissen. Ich hätte gerne jeden Montag einen Anruf von dir.
Jeden Montag kannst du eine Nachricht erwarten. Ich nehme dich in den Verteiler auf.
Paul, wenn du dich entscheiden müsstest: Dönerteller oder Franzbrötchen – wie wäre deine Wahl? Ich habe irgendwie bei Instagram das Gefühl, du bist Dönerteller-süchtig, oder?
Ich merke, ich muss dich entfernen. Aber ja, tatsächlich: Franzbrötchen.
Paul, willst du Utku mal ein bisschen ausquetschen?
Ich habe mir auf jeden Fall etwas überlegt. Wir haben ja im Vorfeld schon mal ein, zwei Dinge besprochen. Ich habe ehrlicherweise noch kein richtiges Bild von dem, was du so den ganzen Tag machst. Ich würde es aber gerne ein bisschen einfacher halten, sodass es alle verstehen. Ich bin zum Beispiel ein großer Fußballfreund. Ich glaube, du kennst dich da auch ein bisschen aus. Kannst du vielleicht deine Aufgabe mal anhand der Rolle eines Fußballers beschreiben? Wenn ich zum Beispiel sage, unser Vertrieb ist der klassische Stürmer – der macht die Tore, holt die Kohle rein. Wie würdest du deine Rolle beschreiben?
Oh Gott, da bin ich aber auch raus. Aber mach erst mal.
Inwiefern ich das dann in fußballerischer Terminologie beschreiben kann, weiß ich nicht. Es geht um den optimalen Einsatz von Softwareprodukten. Das heißt, dass irgendwelche Softwareprodukte, die bei Dataport benötigt und eingesetzt werden, im Vorhinein auf Herz und Nieren geprüft werden müssen. Ich weiß nicht, ob es der Rolle eines Trainers gerecht wird, der dann seine Spieler aussucht – ob und inwiefern der neue Spieler in dem Team mitwirken kann. Ich glaube, das wäre eine angemessene Rolle. Von uns wird der Spieler ausgewählt. Das heißt, eine Software, die bei Dataport ausgewählt und eingesetzt werden soll, wird erst mal im Hinblick auf die Prozesse von Dataport überprüft. Als Arbeitgeber des öffentlichen Rechts müssen wir auch viele andere Sachen beachten, wie gesetzliche Rahmenbedingungen und Vorgaben. Und dann haben wir auch die Barrierefreiheit, in deren Bereich ich arbeite, damit Menschen, die verschiedene Handicaps haben, auch in den Videokonferenzen mitwirken können. Das alles muss geprüft werden. Und wenn das alles geprüft wird, geben wir unsere Freigabe. Dann entscheidet ein Projektmanager, ob es zum Einsatz kommt oder nicht.
Also ich merke schon, hier gibt es doch auch viele Parallelen zum Recruiting. Du testest ja quasi externe Sachen, die die Dataport-Anforderungen erfüllen müssen, damit sie eingesetzt werden.
Das ist tatsächlich eine Parallele. Wir haben zum einen externe Produkte, die wir bei uns einsetzen. Ich will da keine Marken nennen, aber große Unternehmensprodukte von Externen kommen zu uns und werden auf uns zugeschnitten. Und zum anderen haben wir auch individuelle Entwicklungen. Unser Intranet war zum Beispiel bis vor drei Jahren eine Eigenentwicklung, bis man irgendwann gesagt hat: „Das ist nicht mehr modern. Wollen wir das erneuern?“ Dann ist es dazu gekommen, dass wir von einem individuellen Produkt zu einem Standardprodukt gewechselt haben. Also das entspricht genau dem, was du vorhin gesagt hast.
Hast du ein Beispiel, bei dem man damit in Kontakt kommt? Bei dem du quasi deine Arbeit so richtig erfüllt hast, dass man sagen kann: Das ist ein Produkt, das hast du mitbetreut und begleitet und das ist jetzt online.
Ein Beispiel ist das Intranet. Mein letztes Projekt war der Dataport-Shop. Früher hatten wir eine individuelle Entwicklung, über die die Kolleginnen und Kollegen etwas bestellt haben. Vom Aussehen her stammte das aus den 70er-Jahren und sehr bürokratisch. Keiner hat verstanden, worum es da ging. Wenn man einen Kugelschreiber bestellen musste, kam einem das vor wie ein Antrag auf einen Aufenthaltstitel oder so. Das war schwierig. Jetzt ist er aber mit GUIs ausgestattet – also Graphical User Interfaces. Das heißt, dass man Bilder sieht, diese anklickt, auf die Details geht und schauen kann: Entspricht das den Vorstellungen? Kann man es bestellen oder doch sein lassen?
Der Shop wird jetzt sogar auch extern ausgerollt, meine ich.
Ja, genau.
Sag mal, ich habe noch ein paar Fakten mitgebracht, weil mich das auch im Vorfeld interessiert hat. Wir haben uns ja auch im Rahmen der Karriereseite zum Beispiel sehr intensiv mit Barrierefreiheit beschäftigt. Ich fand es super spannend, weil 80 Prozent der Menschen mit anerkannter Behinderung digitale Medien beruflich nutzen. Das ist ja eine ganze Menge. Und was ich total erschreckend fand: Obwohl die digitale Barrierefreiheit zunehmend gesetzlich geregelt ist, sind derzeit nur etwa vier Prozent der großen Websites weltweit barrierefrei. Das fand ich schon wirklich erschreckend, muss ich sagen. Du bist ja selbst auch von Barrierefreiheit betroffen und beschäftigst dich jeden Tag damit. Warum ist das denn für dich mehr als nur eine gesetzliche Anforderung?
Es geht um meine Effizienz. Es geht um meine Zufriedenheit. Es geht um meine Leistungsfähigkeit. Bei der Barrierefreiheit redet man ja nicht nur von Menschen mit Behinderung. Barrierefreiheit kann auch Alter bedeuten. Wir haben in Deutschland ein Durchschnittsalter von 48 Jahren, im Vergleich zur Türkei zum Beispiel, wo das Durchschnittsalter 28 ist. Da gibt es nur junge Menschen, die in der Regel gesund sind und gesund leisten können. Je älter eine Gesellschaft ist, umso besser muss sie darauf vorbereitet sein, damit die Menschen leistungsfähig bleiben können. Deshalb ist Barrierefreiheit besonders wichtig. Das ist nicht unbedingt mit einer Behinderung beschrieben.
Gut, dass du das sagst. Das ist ja wirklich etwas, das uns alle betrifft. Aber es ist ja noch umso schlimmer, dass das – egal welche Zielgruppe – immer noch so vernachlässigt wird.
Das trifft auch gesunde Menschen. Stellen wir uns mal eine Frau mit drei Kindern zu Hause vor und eines der Kinder hat ADHS und braucht besondere Betreuung. Diese Frau ist ständig abgelenkt und braucht Ruhe. Da muss der Arbeitgeber ihr irgendwie entgegenkommen und sagen: „Okay, ich kann dich hier und da unterstützen“, sodass du leisten kannst. Also das kann auch gesunde Menschen betreffen.
Und gibt es eine Lösung bei Dataport oder generell bei deiner Arbeit bei Dataport, auf die du besonders stolz bist?
Davon kann ich als Schwerhöriger sprechen. Ich kenne auch andere Kolleginnen und Kollegen, die unter Schwerhörigkeit leiden. Da hat Dataport einer Kollegin angeboten, einen Transponder mitzutragen. Ihre Schwerhörigkeit ist viel schlimmer als meine. Da braucht sie wirklich Unterstützung, und da hat Dataport weder Kosten noch Mühen gescheut. Das fand ich sehr gut.
Die Kollegin kenne ich tatsächlich. Mit der habe ich auch schon eine Gruppenarbeit gemacht. Das war für mich auch total spannend. Ich kannte das gar nicht. Für mich war das wirklich eine ganz tolle Erfahrung.
Ja, schön. Danke dir, Utku.
Gerne.
Paul, was sagst du dazu, dass wir bei Dataport oder generell im öffentlichen Dienst so lange brauchen – von der Ausschreibung bis zur Einstellung?
Also ich finde, lange brauchen wir gar nicht. Wir haben im Vorfeld noch mal nachgeschaut und uns ein bisschen beraten. Wir haben eine gute Time-to-Hire, würde ich sagen.
Wie lautet die denn?
Wir liegen aktuell bei vier bis sechs Wochen von der Ausschreibung bis zur Einstellung. Ich finde, dafür, dass wir im öffentlichen Dienst unterwegs sind, ist das ziemlich zügig. Ich war vorher auch in der freien Wirtschaft unterwegs. Das ist nicht zu vergleichen. Da kann man natürlich alles ein bisschen beschleunigen. Aber dadurch, dass wir ein gutes Verfahren haben, tolle Teams und nette Kolleg*innen, die auch sehr engagiert dabei sind, würde ich schon sagen, dass wir recht zügig unterwegs sind.
Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob die Privatwirtschaft da so viel schneller ist, ehrlich gesagt. Und man muss ja auch berücksichtigen: Wir haben einige Stakeholder, die wir noch mit einbinden müssen. Zum Beispiel die Schwerbehindertenvertretung oder den Personalrat.
Ja, und wir versuchen auch immer, dass zum Beispiel ein Recruiter ein ganzes Verfahren betreut. Angenommen, du bist jetzt kurzfristig verhindert – Urlaub, Krankheit etc. –, dann kann sich so etwas schnell mal verschieben. Das Gleiche gibt es im Fachbereich auch manchmal. Das alles unter einen Hut zu bekommen, ist nicht einfach. Da bin ich den Kolleginnen und Kollegen sehr dankbar, dass sie bei der Terminierung so gut sind und alles berücksichtigen, sodass wir schnelle Verfahren zumindest begünstigen können.
Und was hat dich selbst von Dataport überzeugt? Das Employer Branding bestimmt.
Ja, zu 100 Prozent. Ich glaube, das große Ganze, das Dataport so in petto hat. Man bewirbt sich ja nicht nur wegen eines spannenden Gehalts oder sucht sich einen Arbeitgeber nur deswegen aus, sondern wegen des großen Ganzen. Dazu gehört auch, dass man ein unkompliziertes Miteinander hat. Was mich aber vor allem überzeugt hat, ist dieses Thema gesellschaftlicher Mehrwert. Dass man einfach etwas tut, was der Gesellschaft guttut und nicht nur in die Hosentasche einer Person spielt, wie es zum Beispiel in der freien Wirtschaft sein kann. Das ist gar nicht negativ gemeint.
Und du, Utku, hast eine Frage, die dir unter den Nägeln brennt?
Ich wollte davon berichten, wie mein Recruiting ablief. Ich hatte ein Vorstellungsgespräch – sagen wir mal, das war ein Montag. Am Dienstagnachmittag hat man mich angerufen und eine Zusage gegeben.
Da hast du aber auch sofort überzeugt, glaube ich.
Weiß ich nicht. Oder ich hatte Glück. Oder Dataport war verzweifelt.
Nein, das glaube ich nicht.
Das ging extrem schnell. Ich kenne das aus der Privatwirtschaft, aus den verwöhnten Zeiten, als es sehr viele Arbeitskräfte gab. Da haben die Leute Wochen oder Monate gebraucht. Und man hat sich schon glücklich geschätzt, wenn man überhaupt eine Rückmeldung bekommen hat. Selbst eine Absage wäre zumindest eine nette Sache gewesen.
Es ist ja auch tatsächlich so: Ich betreue unseren kununu-Kanal mit den Arbeitgeberbewertungen. Da sind wir ganz eng im Austausch und nehmen wirklich jedes Feedback auf – egal aus welcher Ecke es kommt –, um zu schauen, ob wir etwas optimieren können. Was war denn das schönste Feedback, das du von einem Bewerber oder einer Bewerberin bekommen hast?
Erst mal freut mich natürlich, dass das damals so schnell mit dem Feedback funktioniert hat. Wir versuchen tatsächlich, schnell Nägel mit Köpfen zu machen. Wenn ein Bewerber vielleicht schon drei Wochen auf einen Termin gewartet hat, dann wollen wir auch möglichst schnell Feedback geben – egal, ob es eine gute oder schlechte Nachricht ist. Umso schöner zu hören, dass das vor Jahren schon vor meiner Zeit so war. Ich glaube, das schönste Feedback war wirklich, dass jemand nach einer langen Arbeitslosigkeit und auch einer privat nicht ganz einfachen Situation gesagt hat: „Durch das Gespräch habe ich wieder gemerkt, ich habe irgendwie Sinn in meinem Leben. Das Ganze erfüllt mich jetzt wieder. Ich kann jetzt einen neuen Lebensabschnitt starten.“ Das zeigt einem, was so etwas mit Menschen eigentlich macht und welche Auswirkungen so ein vermeintlich einfacher Job haben kann. Ich glaube, das ist bei mir immer hängengeblieben. Es gibt tausend Geschichten, aber das war die schönste.
Mich interessiert ein Punkt. Mal angenommen, du hast einen Bewerber. Der ist mit seinen Unterlagen und Erfahrungen eigentlich richtig gut. Er kommt aber verzweifelt zum Vorstellungsgespräch, weil er sich verfahren oder mit dem Kind Ärger hatte. Gibt es etwas, das den Bewerbenden den Druck nimmt, damit sie sich entspannen und ganz ehrlich und natürlich sein können?
Die Situation, die du eben beschrieben hast, die nenne ich Donnerstag. Wir erleben es tatsächlich sehr häufig, dass ein Bewerber sagt: „Ich hatte irgendwie noch Stress. Ich bin noch gar nicht richtig da.“ Viele kommunizieren das auch ganz offen mit uns. Wir versuchen dann, die Situation etwas zu entschärfen. Das ist oft auch meine Aufgabe im Gespräch. Wir sagen dann: „Entspann dich erst mal. Erzähl etwas Lockeres über dich. Pitch dich erst mal selbst. Lass uns das Ganze langsam aufbauen.“ Der Bewerbende soll merken: Hier herrscht eine Wohlfühlatmosphäre. Man lernt sich kennen, tauscht sich aus und begegnet sich vor allem auf Augenhöhe. Das ist uns besonders wichtig. Der Bewerber soll nicht denken, dass wir sonst wer wären, sondern dass wir kollegial miteinander sprechen können. Ich finde, so merkt der Bewerbende auch schnell, welche Sprache wir im Unternehmen sprechen. Das holt die meisten ziemlich gut ab. Die meisten, die aufgeregt ins Gespräch kommen, sind nach zehn bis fünfzehn Minuten deutlich entspannter. Spätestens nach der Warm-up-Phase mit dem Recruiting, wenn es in die fachlichen Themen geht, auf die die meisten wirklich gut vorbereitet sind, sind die meisten entspannt. Und hinten raus gibt es auch schon mal den einen oder anderen Spaß.
Darf ich dir verraten, was mich beim Gespräch entspannt hat?
Ja, gerne.
Ich war auch sehr aufgeregt. Dann gab es auch Probleme mit dem Internet. Ich kam irgendwie nicht auf die Seite, obwohl ich mich eine halbe Stunde vor dem Gespräch einloggen wollte. Irgendwie hat das nicht geklappt, und 15 Minuten vor dem Termin habe ich richtig Panik bekommen und angerufen. Da haben sie gesagt: „Entspann dich. Du kannst dich in fünf Minuten über den richtigen Browser anmelden.“ Dann kam ich da an – voll verschwitzt und rot im Gesicht. Die haben mich richtig entspannt. Die erste Frage war: „Wie viele Fahrräder gibt es in Hamburg?“ Die wollten anhand meiner Herangehensweise sehen, ob ich logisch denken kann. Ich war plötzlich abgelenkt, war gar nicht mehr im Vorstellungsgespräch. Ich war im Kopf nur noch am Berechnen und habe irgendwas gesagt. Dann habe ich gefragt: „War das die richtige Antwort?“, und sie sagten: „Darum geht's nicht.“
Kannst du heute die richtige Antwort?
Ja, aber meine Antwort lag auch ziemlich gut.
Aber das ist doch voll das schöne Beispiel: Ich finde, das hat auch echt viel mit Wertschätzung zu tun. gerade das erste Gespräch mit einem Bewerbenden. Ich muss sagen: Wenn ich mich an mein Vorstellungsgespräch erinnere – darüber möchte ich heute nicht reden. Das ist aber schon sehr, sehr viele Jahre her. Ich glaube, wir haben in der Zeit sehr viel gelernt. Wie lange seid ihr jetzt eigentlich schon dabei? Du bist ja kurz nach Corona eingestiegen, Paul, oder?
Ich bin seit Dezember 2023 dabei.
Und du, Utku?
Im August bin ich seit fünf Jahren bei Dataport.
Und was würdet ihr sagen – wenn ihr Dataport mit einem Wort beschreiben müsstet? Oder mit drei – sucht es euch aus.
Wenn man aus der freien Wirtschaft kommt – und das meine ich weder negativ noch positiv, ich versuche das objektiv zu beantworten –, in der ich über 20 Jahre unterwegs war, kam es mir bei Dataport an manchen Stellen langsam vor. Bei manchen Projekten habe ich gemerkt: langsam, ganz easy, erst mal durchatmen. Auf der anderen Seite war ich aber auch von eurer Abteilung ziemlich überzeugt. Es kam mir tatsächlich so vor, als ob die Menschen darauf geprüft worden wären, ob sie miteinander funktionieren können. Das habe ich bei Dataport gesehen. Das waren keine Einzelkämpfer, die sich gegenseitig Gruben gegraben haben, sondern ausgesuchte Leute, die irgendwie zusammengekommen sind. Das bedeutet aber nicht, dass wir bei Dataport keine Konflikte haben. Die haben wir tatsächlich in den Projekten. Das soll auch so sein. Man soll kontrovers diskutieren können. Aber trotzdem gab es eine gute Zusammenarbeit. Das fand ich gut ausgesucht.
Also der Cultural Fit passt auf jeden Fall.
Was würdest du denn sagen, warum die Uhren hier ein bisschen langsamer ticken als in der Privatwirtschaft?
Ich glaube, erstens gibt es da sehr viele Vorgaben. Wir können nicht irgendein Produkt aussuchen, wenn wir beim Softwaretest bleiben, und sagen: „Das ist ein gutes Produkt, das setzen wir ein.“ Das dürfen wir nicht. Wir haben ein Vergaberecht. Wir haben gesetzliche Vorgaben, die unsere Prozesse von vornherein verlangsamen. Und dann müssen wir viel mehr auf einzelne Dinge achten. In der Privatwirtschaft kann man sagen: „Barrierefreiheit? Egal. Ich stelle keine behinderten Menschen ein. Dafür muss ich zusätzliche Kosten tragen. Damit will ich mich nicht aufhalten.“ Dann müssen sie dort gar nicht auf Barrierefreiheit prüfen. Das sind einzelne Punkte, die unsere Prozesse schon verlangsamen. Unsere Kunden sind außerdem öffentliche Stellen, die ebenfalls ihr Vergaberecht und ihre Regelungen haben. Sie müssen auch ständig darauf achten, dass es um die Ausgabe von Steuergeldern geht, und hinterfragen, ob das richtig gemacht wurde, ob man das später rechtfertigen kann oder ob wir uns irgendwann vor Gericht wiedersehen. Das sind alles einzelne Dinge, die das Ganze etwas langsamer machen. Aber auf keinen Fall deshalb, weil die Menschen lahm sind, um es salopp zu sagen. Vielmehr werden sie von vornherein durch die Rahmenbedingungen etwas aufgehalten. Ansonsten habe ich sehr leidenschaftliche Kolleginnen und Kollegen gefunden, die das Ganze am liebsten noch schneller machen würden. Aber es ist, wie es ist.
Das sind ja gute Gründe, warum es manchmal etwas länger dauert. Und du, Paul? Ein oder drei Worte?
Ich würde es bei zwei belassen. Ich schließe mich dir auf jeden Fall an. Das Miteinander ist sehr gut. Man merkt schnell: Allen Kolleginnen und Kollegen – egal auf welcher Ebene – begegnet man auf Augenhöhe. Man spricht schnell dieselbe Sprache und findet schnell zueinander. Auf der anderen Seite finde ich Dataport auch sehr strukturiert. Jeder hat seine feste Aufgabe. Man schaut zwar über den Tellerrand hinaus, aber dann gibt es einen Kollegen oder eine Kollegin, der oder die die Schnittstelle bildet. Ich glaube, das ist manchmal der Punkt, warum es aus einer gewissen Perspektive etwas langsamer wirken kann.
Vielen lieben Dank, dass ihr da wart, dass ihr uns mitgenommen habt in euren Arbeitsalltag. Es war sehr schön, euch kennenzulernen, und ich hoffe, dass wir euch auch miteinander vernetzen konnten. Ich fasse zum Schluss immer noch zusammen, was ich gelernt habe.
Ich habe gelernt, dass Barrierefreiheit weit mehr als eine gesetzliche Vorgabe ist. Sie sollte deutlich mehr Priorität erhalten, denn sie betrifft letztlich jede und jeden von uns und erleichtert vielen Menschen den Alltag. Ich habe gelernt, dass Dataport viel Wert darauf legt, Mitarbeitende individuell zu unterstützen – beispielsweise durch Hilfsmittel, Begleitung oder besondere Unterstützung bei Einschränkungen. Ich habe gelernt, dass Bewerbenden bewusst eine wertschätzende und kollegiale Atmosphäre geboten wird, damit sie sich wohlfühlen und ihren möglichen neuen Lebensabschnitt positiv beginnen können. Und ich habe gelernt, dass wir im öffentlichen Dienst zwar das Klischee bedienen, langsam zu sein, dass das aber dort zutrifft, wo Vorgaben es erfordern – im Recruiting nicht, wie wir gelernt haben. Deshalb noch mal mein Appell an euch: Bewerbt euch!
Das war COUCH CAREER – berufliche Geschichten vom Sofa. Wenn dir die Folge gefallen hat, dann sei auch beim nächsten Mal wieder dabei. Und wer weiß – vielleicht sitzt hier schon dein neuer Job.
Lust auf mehr?
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