Mentale Gesundheit: „Arbeitgeber müssen Antworten haben“

Veränderung gehört zum Arbeitsalltag und damit auch die Frage, wie sie für Menschen gut gestaltet werden kann. Neue Technologien, Strukturen und Arbeitsweisen verändern Aufgaben und Zusammenarbeit bei Dataport. Das betriebliche Gesundheitsmanagement setzt deshalb nicht erst an, wenn Belastungen entstehen. Es schaut frühzeitig hin, hört zu und entwickelt gemeinsam mit den Beschäftigten konkrete Lösungen. Johanna Röhl und Steffen Conjé begleiten Teams dabei, Belastungen sichtbar zu machen, Ursachen zu verstehen und Veränderungen aktiv mitzugestalten.
Erst einmal darf alles raus. Johanna Röhl und Steffen Conjé (beide tätig im Bereich „Gesundheit und Beratung“ bei Dataport) hören zu und schreiben mit, wenn die Beschäftigten von Arbeitsmengen, unklaren Abläufen, Konflikten und neuen Rollen erzählen. Am Ende steht bestenfalls alles da, aufgeschrieben und für alle sichtbar an einer Wand. Im Arbeitsalltag fehlt häufig die Zeit, Probleme so konkret zu benennen, gemeinsam darauf zu schauen und nach Lösungen zu suchen. Genau dafür sind die Workshops da: um diesen Raum zu schaffen.
Das Arbeitsleben wandelt sich gerade rasant. Bei Dataport kamen in den vergangenen Jahren starkes Wachstum und eine weitreichende Neuorganisation hinzu. Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege haben sich verändert, während das Tages- und Projektgeschäft weiterlief. „Veränderung ist das neue Normal“, sagt Steffen Conjé. „Und das wird so weitergehen.“
Dass Menschen darauf unterschiedlich reagieren, ist für Johanna Röhl nachvollziehbar. Manche Beschäftigte sähen darin Möglichkeiten, andere fühlten sich unsicher oder überfordert. Es helfe, wenn klar sei, wohin die Reise geht, und Beschäftigte diesen Weg selbst mitgestalten können.
Ein Gesamtblick auf das Thema Gesundheit ist für das Team essenziell. Dazu gehören ergonomische Arbeitsplätze und Angebote zur körperlichen Gesundheit. Gleichzeitig geht es um das mentale und soziale Wohlbefinden und damit um die Frage, unter welchen Bedingungen Menschen dauerhaft gut arbeiten können.

Was genau belastet, wissen die Beschäftigten selbst am besten. Röhl und Conjé müssen deshalb nicht im Detail verstehen, was ein Team fachlich tut. „Die Menschen, die dort sitzen, sind die Expert*innen für ihren Job“, sagt Conjé. „Sie können sagen, was sie belastet und welche Lösungen es geben könnten.“
In den Workshops versuchen die Teams herauszufinden, woher Belastungen kommen und was sich verändern lässt. Daraus entstehen konkrete Vereinbarungen. Später schauen alle gemeinsam, was funktioniert hat und wo sie nachsteuern müssen.
Nicht jedes Problem ist danach verschwunden. Manchmal entsteht Veränderung zunächst dadurch, dass ein Team Situationen anders versteht und neue Handlungsmöglichkeiten erkennt. „Auch wenn die Belastungen noch da sind“, sagt Conjé, „können die Beteiligten anders damit umgehen, wenn sie verstehen, warum beispielsweise Kolleg*innen so reagieren, wie sie reagieren.“
Nicht alle Ursachen lassen sich innerhalb eines Teams beseitigen. Als Arbeitgeber muss Dataport übergreifende Belastungen erkennen und reduzieren. So zeigte eine interne Umfrage etwa Verbesserungsbedarf bei Prozessen und Strukturen. Als eine Konsequenz daraus hat Dataport das Prozessmanagement gestärkt. Wenn Beschäftigte beispielsweise über längere Zeit merken, dass ihnen die Arbeit zu viel wird, können sie zunächst das Gespräch mit ihrer Führungskraft suchen. Gemeinsam lässt sich klären, woher die Belastung kommt und ob sich Aufgaben anders priorisieren, verteilen oder Prozesse verändern lassen.
Je nach Situation können Beschäftigte bei Dataport unterschiedliche Unterstützung durch das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) nutzen. Zum Beispiel:
Gemeinsam lassen sich Belastungsursachen klären und zum Beispiel Aufgaben priorisieren, Arbeit anders verteilen oder Prozesse verändern.
Trainings wie „Meine Firewall gegen den Wandel“, „Resilienz 2.0“ oder „Dein Code gegen Stress“ beschäftigen sich mit mentaler Gesundheit, Stress und dem Umgang mit Veränderungen.
Dataport kooperiert an allen Standorten mit unterschiedlichen Fitness-Anbietern und ermöglicht es den Mitarbeiter*innen, Sport- und Bewegungsangebote zu vergünstigten Konditionen zu nutzen.
Bei akuten beruflichen oder privaten Krisen können Mitarbeitende zusätzlich externe Beratungsangebote vertraulich in Anspruch nehmen. Sind ganze Teams betroffen, können Führungskräfte Beratung für belastete Gruppen anfordern.
Gefährdet die Arbeitsbelastung die Gesundheit, steht ein formales Instrument zur Verfügung.
Nach längeren Erkrankungen kann das BEM die Rückkehr begleiten.
Bei Dataport können Mitarbeitende bis zu 80 Prozent der Zeit von zu Hause aus oder mobil arbeiten. Für viele ist das ein großer Vorteil. Gleichzeitig begegnen sich Kolleg*innen dadurch seltener persönlich. Röhl hört von Beschäftigten beides zugleich: „Ich merke, Homeoffice tut mir gut und ich wünsche mir mehr Team.“
Mehr Teamtreffen in Präsenz oder mehr Bürotage sind eine Option für Begegnungen außerhalb des digitalen Raums. Zusätzlich bietet Dataport durch After-Work-Angebote oder durch den Betriebssport gemeinsame Bewegung vielfältige Möglichkeiten für gemeinsame Aktivitäten.
Johanna Röhl und Steffen Conjé wissen vor einem Workshop nie genau, was sie erwartet. Manche Gruppen reden sofort, andere schweigen. Manchmal werden mehrere Menschen gleichzeitig emotional. Auch deshalb führen sie die Workshops zu zweit durch. Veränderung ist das neue Normal. Sich darüber auszutauschen ist deshalb wichtig. Ein einzelner Workshop löst zwar nicht alle Probleme auf einmal. Aber: „Wir können auch im Kleinen erst mal ganz viel bewegen für die Menschen, die dort sitzen“, sagt Steffen Conjé.