Pressemeldung
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Analysebericht zu rund 250 Kommunen vorgestellt: Für den digitalen Wandel müssen Ressourcen künftig noch stärker gebündelt, Standards gesetzt und Lösungen gemeinsam weiterentwickelt werden
Ein paar Klicks auf der Bildschirmoberfläche, und der Antrag ist abgesendet: Für Bürgerinnen und Bürger fühlt sich die Verwaltung in vielen niedersächsischen Kommunen bereits modern an. Doch hinter den Kulissen der Rathäuser offenbart sich häufig ein Bruch. Während die digitale Fassade steht, laufen die dahinterliegenden Verwaltungsprozesse oft noch in analogen Bahnen.
Wie Kommunen ihre Verwaltung trotz wachsender Aufgaben, demografischem Wandel und knapper Ressourcen zukunftsfähig aufstellen können, untersuchte das Projekt „Digitale Kommune Niedersachsen“. Von September 2023 bis Juli 2026 wurden rund 250 Städte und Gemeinden strategisch bei der Transformation begleitet. Der Abschlussbericht ist heute bei einer Digitalkonferenz mit Vertreterinnen und Vertretern aus rund 300 Kommunen vorgestellt worden.
Als zentraler Digitalisierungspartner begleitete Dataport diesen Prozess gemeinsam mit dem Land Niedersachsen. Das Ziel: Konkrete und umsetzbare Handlungsempfehlungen für Land und Kommunen zu erarbeiten.
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die größte Herausforderung liegt nicht in der Anschaffung von IT, sondern in Steuerung, Prozessmanagement und organisatorischer Verankerung, sagt der CIO des Landes Niedersachsen, Dr. Alexander Georgiadis:
„Erfolgreiche Digitalisierung entsteht im Schulterschluss von Land und Kommunen. Nur durch eine engere, verbindlichere Zusammenarbeit, klare Architekturvorgaben und den Aufbau zentraler Shared Services können wir trotz personeller und finanzieller Engpässe die Handlungsfähigkeit unserer Behörden sichern. Entscheidend für den Erfolg ist, dass der Wandel nicht nur technisch, sondern vor allem organisatorisch und kulturell in den Behörden verankert wird.“
Reifegradanalyse zeigt strukturellen Handlungsbedarf
Eine Reifegradanalyse mit rund 1.000 Befragten aus 209 Kommunen verdeutlicht die unterschiedlichen Entwicklungsstände. Während die technische Ausstattung solide bewertet wird – Hardware erreicht durchschnittlich 2,90 von 4 Punkten, Software 2,75 Punkte –, fallen die Werte in den organisatorischen Kernbereichen deutlich ab: Das Prozessmanagement liegt bei 1,14 von 4 Punkten, die Digitalstrategie bei 1,70 Punkten und die organisatorische Struktur bei 1,78 Punkten.
Auch bei den Ressourcen verschieben sich die Prioritäten. Nur 3,45 Prozent der Kommunen sehen die technische Ausstattung als primären Engpass. Stattdessen nennen 56,9 Prozent den Bedarf an personellen Ressourcen und 50 Prozent den Mangel an finanziellen Mitteln als größte Hürden.
„Digitalisierung ist kein Zusatzprojekt, sondern eine Voraussetzung für zukunftsfähige Verwaltung“, betont Silke Tessmann-Storch, Vorständin bei Dataport. „Die größte Aufgabe liegt nicht in der Technik, sondern in Steuerung, Prozessen und Organisation. Standards, Kompetenzaufbau und gemeinsame Strukturen können dabei Entlastung schaffen und Wirkung entfalten.“
Land und Kommunen: Gemeinsam in die Umsetzung
Aus den Analysen leitet das Projekt die Notwendigkeit einer dauerhaften und strukturierten Partnerschaft zwischen Land und Kommunen ab. Um den digitalen Wandel effizient zu gestalten, müssen Ressourcen gebündelt, Standards gesetzt und Lösungen gemeinsam weiterentwickelt werden.
Zu den empfohlenen Maßnahmen zählen:
- Verbindliche Standards: Einführung klarer Architektur- und Standardisierungsvorgaben.
- Gemeinsame Infrastruktur: Förderung der interkommunalen Zusammenarbeit und Ausbau zentraler Serviceangebote (Shared Services).
- Ende-zu-Ende-Digitalisierung: Konsequente Integration von Onlinediensten in die dahinterliegenden Fachverfahren.
- Gezielte Qualifizierung: Eine landesweite Schulungsoffensive für Prozess- und Projektmanagement sowie den Aufbau von KI-Kompetenz.
Erste Erfolge in der Digitalisierung
Seit September 2025 hat Niedersachsen die Digitalisierungszuständigkeiten im Innenministerium gebündelt und eine neue Abteilung geschaffen. Eingerichtet wurde zudem die Taskforce Digitalisierung. Die Taskforce ist eine operative Einheit des Landes, in der Expertinnen und Experten aus dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung, von den IT-Dienstleistern IT.Niedersachsen und GovConnect sowie weiteren Partnern eng zusammenarbeiten.
Das Team des sogenannten Maschinenraums unterstützt die niedersächsischen Kommunen dabei, Verwaltungsleistungen online anzubinden und damit das Onlinezugangsgesetz (OZG) umzusetzen. Der Rollout der digitalen Verwaltungsleistungen erfolgt gemeinsam mit den Kommunen.
Wo immer es möglich ist, werden die Onlineangebote medienbruchfrei an die kommunalen Fachverfahren angebunden. Sie sind damit nicht nur für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen nutzbar, sondern erleichtern auch den Mitarbeitenden in den Kommunalverwaltungen ihre Arbeit. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen besonders häufig genutzte Leistungen mit hoher Relevanz, so zum Beispiel die elektronische Wohnsitzanmeldung, Wohngeld oder Einbürgerungsverfahren.
Erste Erfolge im Bereich der Verwaltungsdigitalisierung sind in Niedersachsen bereits messbar: Im Bitkom-Länderindex 2026 verbessert sich Niedersachsen im Bereich Governance und Verwaltung gegenüber 2024 von Rang 12 auf Rang 4 (hinter Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hamburg). In Niedersachsen sind im August 2026 nunmehr für 1564 Verwaltungsleistungen landesweite Online-Dienste verfügbar, weitere 861 Leistungen zumindest in einzelnen Kommunen.
Der Abschlussbericht mit den Handlungsempfehlungen und Erkenntnissen zur Digitalisierung der Kommunen in Niedersachsen befindet sich im Anhang. Zudem ein Foto mit dem IT-Bevollmächtigten der Landesregierung (CIO) Dr. Alexander Georgiadis und Silke Tessmann-Storch, Vorständin der Dataport AöR.
Abschlussbericht Digitale Kommune Niedersachsen (PDF, 1,2 MB)
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