data[port]ai: Die Plattform für KI-Anwendungen

Es ist eine Herausforderung für die Verwaltung der Zukunft: Wie kann sie auch bei geringerem Personaleinsatz effizient arbeiten? Künstliche Intelligenz ist eine der Antworten. Der KI-Textassistent LLMoin etwa unterstützt den Verwaltungsalltag bereits erfolgreich. Der nächste Schritt verspricht noch mehr: Agentische KI automatisiert komplexe Aufgaben, übernimmt Routinetätigkeiten und bereitet Entscheidungen vor.
Der neue Kollege macht das schon gut. Er arbeitet selbstständig, verliert sein Ziel nicht aus den Augen und legt dabei ganz schön Tempo an den Tag. Der Neue ist allerdings kein Mensch, sondern ein KI-Agent. Er kann Aufgaben planen, einzelne Schritte ausführen und seine Ergebnisse überprüfen. Und könnte damit die Arbeit in der öffentlichen Verwaltung grundlegend verändern.
Jonas Leinen ist Teil des Teams für agentische KI bei Dataport. „Bisherige KI ist reaktiv gestaltet“, erklärt er. „Ein Mensch gibt eine Anfrage ein, ein Sprachmodell verarbeitet sie und liefert eine Antwort.“ Bei agentischer KI hingegen verschiebt sich der Schwerpunkt: „Wir arbeiten zielorientiert. Der Agent kann innerhalb eines festgelegten Rahmens selbst Schritte unternehmen, um ein Ziel zu erreichen."

Jonas Leinen beschreibt solche Möglichkeiten anhand der Sachbearbeitung in einer Verwaltung, beispielsweise bei Förderanträgen: „Ist der Antrag vollständig? Ist formal alles richtig? Gibt es Widersprüche?“ Der Agent kann diese Fragen prüfen und anschließend weitere Schritte ausführen – beispielsweise eine Entscheidungsempfehlung formulieren oder feststellen, dass noch Dokumente nachgefordert werden müssen. Bevor der Mensch die Entscheidung trifft, nimmt agentische KI ihm also eine Menge Arbeit ab.

Das ist der höchste Freiheitsgrad für einen KI-Agenten. Deshalb ist das Thema so wichtig und so disruptiv.
Jonas Leinen
Team Agentische KI bei Dataport
Hinter dieser Arbeitsweise steckt der sogenannte Loop. Damit ist eine Schleife von Handlungen gemeint: Der Agent betrachtet eine Aufgabe, entscheidet über den nächsten Schritt, führt diesen aus und bewertet das Ergebnis. Daraus entsteht der nächste Schritt. So geht es weiter, bis die Aufgabe erledigt ist.
Damit unterscheiden sich agentische Systeme von vielen klassischen Automatisierungen. Dort ist meist genau festgelegt, welche Aktion auf welche Bedingung folgt. Ein KI-Agent kann dagegen innerhalb definierter Vorgaben auf neue Informationen reagieren und sein Vorgehen anpassen. Dafür braucht er geeignete Werkzeuge. Das sind beispielsweise der Zugriff auf freigegebene Dokumente, Suchfunktionen oder Schnittstellen zu Fachanwendungen.
Wie eigenständige KI-Agenten agieren, kann in unterschiedlichen Stufen definiert werden. Vom einfachen Rechercheassistenten bis zu Systemen, die mehrere Arbeitsschritte selbstständig verbinden. Darüber hinaus können auch mehrere Agenten in sogenannten Multiagentensystemen zusammenarbeiten. Das Prinzip: Ein Agent sucht die benötigten Informationen, ein anderer prüft diese und ein weiterer übernimmt die nächste Aufgabe.
Je selbstständiger ein KI-Agent arbeitet, desto wichtiger ist die Kontrolle. Denn ein System, das Informationen verarbeitet und Handlungen ausführt, braucht klare Regeln.
Hier kommt die KI-Governance ins Spiel, die Dataport kontinuierlich entwickelt. Sie legt Zuständigkeiten und Kontrollmechanismen für den Einsatz künstlicher Intelligenz fest. Bei agentischer KI muss nicht nur geregelt sein, welche Ergebnisse ein System liefern soll. Es muss auch definiert werden, welche Schritte auf dem Weg dorthin möglich sind. Warum der Handlungsspielraum streng reglementiert sein muss, zeigen jüngste Sicherheitsvorfälle in den USA. Dort hatten KI-Agenten unerlaubt auf fremde IT-Systeme zugegriffen. Jonas Leinen: „Wir müssen klare Grenzen ziehen und den Bereich definieren, in dem der Agent agieren darf.“
Leinen macht das am Beispiel eines E-Mail-Postfachs deutlich. Ein Agent könne Nachrichten lesen, kategorisieren und Antwortentwürfe formulieren. Aber dürfte er sie auch selbständig versenden? Jonas Leinen ist skeptisch: „Ich würde einem KI-Agenten keine Schreib- und Löschrechte geben.“ Es gibt außerdem rechtliche Grenzen, beispielsweise durch den EU AI Act, welche Verwaltungsentscheidungen automatisiert getroffen werden dürfen. Darüber hinaus müssen gerade in der öffentlichen Verwaltung Datenschutz, IT-Sicherheit und die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen gewährleistet sein.
Ein weiterer Baustein beim Einsatz von KI ist somit der Human in the Loop: Menschen bleiben an festgelegten Stellen eingebunden. Sie kontrollieren Ergebnisse, geben Handlungen frei oder treffen Entscheidungen selbst. Wie eng diese Kontrolle ausfallen muss, hängt vom jeweiligen Einsatzgebiet ab.
Insgesamt wird sich die Zusammenarbeit mit KI grundlegend verändern. Statt jede Frage einzeln an einen Assistenten zu richten, können Beschäftigte künftig mehrere Agenten für unterschiedliche Aufgaben einsetzen, ihre Ergebnisse vergleichen und die nächsten Schritte festlegen. Jonas Leinen sieht darin eine neue Rolle für Mitarbeitende. „Der Mensch ist der Orchestrator von KI-Agenten“, sagt er. Heißt also: Der Mensch schlüpft in die Rolle eines Dirigenten: Statt jedes Werkzeug einzeln zu bedienen, delegiert er komplexe Aufgaben an eigenständig arbeitende KI-Agenten, koordiniert deren Zusammenspiel und behält das Gesamtergebnis im Blick.
Allerdings, so Jonas Leinen, werde dieser Wandel nicht automatisch gelingen: „Es sind große Kraftanstrengungen nötig, um die Technologie sicher und sinnvoll einzusetzen.“ Zum einen muss Dataport seinen Anspruch an den sicheren und souveränen Einsatz von KI bewahren – und zum anderen innovative Möglichkeiten für die Verwaltung der Zukunft erschließen. Bestenfalls kennt der neue KI-Kollege künftig dann nicht nur seinen Auftrag, sondern auch seine Grenzen. Und wenn alles gut läuft, heißt es am Ende: Mission erfüllt!