Kultur

Museen und Archive sehen sich komplexen Aufgaben gegenüber: Wie lassen sich digitalisierte Bestände sicher aufbewahren und erschließen? Auf der FOCUS:MUSEUM 2026 hat Dataport mit Photo Detective ein KI-Tool vorgestellt, das historische Fotografien automatisch verschlagwortet. Im Archäologischen Museum Hamburg ist die Lösung schon im Einsatz.
Die Elbe im morgendlichen Sonnenlicht. Ein Hamburger Wohnzimmer mit klassischen Versandhausmöbeln der Siebziger, mittendrin ein prächtiger Weihnachtsbaum. Eine Gruppe von Läufern in altmodischer Sportkleidung: Allein aus der Zeit von 1950 bis 1970 gibt es im Archäologischen Museum Hamburg mehrere zehntausend historische Fotografien. Digitalisieren allein reicht allerdings nicht aus, um die Bilder vollumfänglich zu erschließen, erklärt Dr. Michael Merkel, Sammlungsleiter und IT-Koordinator im Archäologischen Museum Hamburg: „Die Metadaten lassen sich bei so einer Menge einfach nicht mehr händisch erfassen.“
2023 hat das Archäologische Museum Hamburg deshalb gemeinsam mit dem Kultur.Kompetenzzentrum von Dataport ein Projekt gestartet. Entstanden ist die KI-basierte Computer Vision-Lösung Photo Detective, die auf unterschiedliche Objekte trainiert ist und diese automatisch erkennt. Wie sich das in der Praxis auswirkt, zeigt ein Blick auf die Arbeit mit großen Bildbeständen. „Sie hilft bei einem Bestand über 400.000 Digitalisaten ungemein, wenn ich mir etwa Fotos von Sportveranstaltungen herausfiltern lassen kann“, erzählt Dr. Michael Merkel.
Das Tool markiert die erkannten Objekte direkt und ergänzt die Aufnahmen automatisch um Metadaten. Früher ging das nur von Hand. Michael Merkel: „Wenn der Fotograf fleißig war, dann war der Diarahmen beschriftet und es stand dort ,Sommer 52‘. Die Aufschrift mussten wir dann abtippen.“ Photo Detective übernimmt diese Aufgaben und schafft Ordnung in einer unsortierten Sammlung, beispielsweise von Schwarz-Weiß-Bildern aus Nachlässen – so entstehen digitale Karteikästen.

Photo Detective war eine von mehreren Ideen und Lösungen für digitale Archivierung, die Dataport auf der FOCUS: MUSEUM 2026 in Brandenburg gezeigt hat. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, die Bedarfe von Kultureinrichtungen zu erkennen“, sagt Lars Mischak, Abteilungsleiter Kultur & Wissenschaft bei Dataport. „Auf dieser Grundlage entwerfen wir dann maßgeschneidert die entsprechenden Produkte, die Kultureinrichtungen ohne Bedenken einsetzen können.“

Dabei spielt der Sicherheitsaspekt eine zentrale Rolle. Laura Noetzel, Data Scientistin bei data[port]ai: „Die Daten sind das Herzstück von KI-Projekten. Deshalb muss der Datenschutz von Anfang an mitgedacht werden.“ Photo Detective etwa läuft vollständig auf der KI-Plattform von data[port]ai im eigenen BSI-zertifizierten Rechenzentrum von Dataport. So werden digitale Bestände öffentlicher Kultureinrichtungen bestmöglich geschützt: Für die langfristige Archivierung digitaler Bestände etwa setzt Dataport auf ein sogenanntes Kaltarchiv. Bei der kalten Datenspeicherung werden die Daten auf Speichersysteme übertragen, die für eine langfristige Speicherung ausgelegt sind. Übrigens: Dataport ermöglicht zeitlich unbegrenztes Archivieren von bis zu mehreren Petabyte großen Datensammlungen. Bereits ein Petabyte genügt für den Inhalt von 10.000 Bibliotheken oder 400.000 Stunden Film in HD-Qualität.
Das Archäologische Museum Hamburg steht exemplarisch für die Herausforderung vieler öffentlicher Institutionen: Die Zahl digitalisierter Bestände wächst stetig. Dr. Michael Merkel sieht deshalb perspektivisch in der Zusammenarbeit unterschiedlicher Kultureinrichtungen weitere Anwendungsmöglichkeiten für KI-Tools. Zum Beispiel durch gezieltes Training der KI-Modelle: „Ein Kurator kann viel über Stadtentwicklung und Zeitgeschichte erfahren, wenn er sich beispielsweise alle Bilder mit Bäumen und Ziegelbauten suchen lässt. Wir können die KI auf verschiedene Fragestellungen hin entsprechend trainieren.“ Weitere KI-Einsatzfelder sind bereits durch Machbarkeitsstudien getestet. Dazu gehört die automatische Erkennung historischer Münzen oder die Texterkennung auf Bildern.
Dr. Michael Merkel betont den kollaborativen Aspekt. Zwar spare der Photo Detective Mitarbeitenden viel Arbeitszeit, aber „es braucht die Kolleg*innen im Vorfeld, damit das Tool richtig arbeitet. Und es braucht auch den Menschen im Nachgang, um die Ergebnisse zu verifizieren.“
Nähere Informationen zur Fachtagung FOCUS: MUSEUM 2026 finden Sie auch im Filmbeitrag:
Wie KI den Kulturbereich revolutioniert